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Die Orgeln des Münsters St. Georg

Die historische Tragorgel 
 
- Die historische Tragorgel im Altarraum des Münsters

Das Jahr 1988 war für Dinkelsbühl in zweifacher Hinsicht bedeutungsvoll:
Als weltliches Ereignis fand in der vor 800 Jahren erstmals urkundlich erwähnten Freien Reichsstadt die Bayerische Landesgartenschau statt.
Das historische Jahrhundertereignis aber war die Wiederkehr der Weihe der St.-Georgs-Kirche, die Dehio "Die schönste Hallenkirche Süddeutschlands" nannte. Beim Jubiläums-gottesdienst, der den Höhepunkt einer glanzvollen Kette von Festver-anstaltungen bildete, gab Weihbischof Rudolf Schmid den Beschluß des damaligen Bischofs von Augsburg, Dr. Josef Stimpfle, bekannt, nach dem das Gotteshaus wegen seiner einmaligen Bedeutung in den Rang eines Münsters erhoben wurde.
Im Rahmen dieser Feierlichkeiten konnte auch die historische Tragorgel nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wieder zum gottesdienstlichen Gebrauch neu geweiht werden.
Das Positif (= die "Tragorgel") ist eines der wenigen Instrumente aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg, das man noch der ausklingenden Renaissance zuordnen darf und noch teilweise originales, überwiegend jedenfalls altes Pfeifenwerk besitzt. Nach eingehenden Recherchen und Untersuchungen konnte für dieses Instrument der Ent-stehungszeitraum auf ca.1610-1625 festgelegt werden. Als Orgelbaumeister kommen der Nürnberger Stephan Cuntz bzw. Nikolaus Manderscheidt in Betracht.


Die historische Tragorgel von St. Georg

Manual der historischen Tragorgel

Neben diesem Instrument sind uns noch zwei weitere, ähnlich gebaute Instrumente bekannt: Das eine steht in Regensburg, wurde jedoch bei der letzten Restaurierung erheblich verändert; ein weiteres befindet sich im Musikinstrumentenmuseum in Leipzig. Es sind uns zwar auch einige Reparaturen des Orgelpositivs von St.Georg aus den vergangenen Jahrhunderten überliefert, sie stellten jedoch keinen größeren Eingriff in die Substanz dar. Erst im Jahre 1961/62 wurden durch die Orgelbauwerkstätte Zeilhuber aus Altstädten umfangreichere Renovierungs-arbeiten durchgeführt, von denen nur die wichtigsten genannt werden sollen:
Ersetzen der verwurmten Holzpfeifen nach alter Mensur,
Einbau eines Elektrogebläses im Untergehäuse
Erniedrigung des Winddruckes um eine tiefere Stimmung zu erreichen,
Einbau von "Schleierbrettern aus Sperrholz".

1975 wurde das Positiv wegen der Restaurierungsarbeiten im Münster St. Georg in die Kapuzinerkirche ausgelagert. 1985 begann die Voruntersuchung des neuerlich stark vom Holzwurm befallenen Orgelwerkes, um dessen Restaurierung sich mehrere Orgelbau-werkstätten bewarben.


Rückwärtige Innenansicht der geöffneten Tragorgel. Man erkennt die nahezu vollständig original erhaltenen Holzpfeifen des Registers Gedact 8' sowie die historischen Keilbälge

Nach eingehender Prüfung der Vorschläge und Angebote, die teilweise auf eine Rekonstruktion eines fiktiven Zustandes nach dem Vorbild des Leipziger Positivs hinausliefen, vergab die Kirchenverwaltung im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege den Restaurierungsauftrag an die Firma Orgelbau Klais in Bonn, die für eine behutsame Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit unter Bewahrung der vorhandenen Substanz plädierte. In dieser Form wurde die Restaurierung 1988 auch durchgeführt, dazu zählten:
Entfernen des Gebläsemotors aus dem historischen Gehäuse,
Restaurierung der alten Balganlage und Wiederherstellung des alten Winddruckes und somit der alten Stimmtonhöhe (einen Halbton höher als heute üblich),
Reinigung und Nachintonation sämtlicher Pfeifen; Ersetzen der verwurmten Holzpfeifen nach Vorbild,
Neubefestigen der Tasten mit Pergament/Leder,
Reinigung und Imprägnierung sämtlicher wurmbefallener Teile,
Rekonstruktion und Einbau des Registers Regal 8' an Stelle von Oktävlein 1'
(nach alter Mensur und Bauweise),
Neuanfertigen der Flügeltüren, des fehlenden Schleierwerkes (nach Vorbild des Leipziger Positivs) sowie der Klaviaturbacken nebst Registerschildchen
Einbau eines neuen Elektrogebläses mit Magazinbalg im separaten Untergehäuse,
Reinigung der Gehäusefassung durch den Restaurateur und Kirchenmaler Schugg.

Nach Abschluss der Arbeiten hat das historische Orgelpositiv nunmehr seinen festen Platz auf der rechten Seite im Altarraum von St. Georg erhalten. Der ehemalige, bedachte Ziborienaltar, auf dem es bis 1845 untergebracht war, steht nun im Chorumgang hinter dem Hochaltar.

Die Disposition nach Anordnung der Registerhebel lautet nunmehr:
 


 

Die historische Tragorgel  
 

(Sämtliche Bilder auf o.g. Seiten: ©Michael Routschka/privat)