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Die Orgeln des Münsters St. Georg

Werdegang der Hauptorgel | Disposition
 
-Zum Werdegang der Hauptorgel

Zu Beginn der Außenrenovierung und Standsicherung des Münsters St. Georg war bereits bekannt, dass sich der Turm nach Nord-Westen geneigt, vom Gewölbe abgesetzt und im Gewölbe Risse verursacht hatte. Um den Schaden zu beheben, musste auf der Empore ein Gerüst erstellt, die Orgel zu gegebener Zeit abgebaut werden.
1973 erfolgte die Sicherung der Orgelempore durch einen Zuganker, der den Schub des Emporegewölbes auf den Mittelpfeiler abfangen und die durch den Druck verursachte Neigung des Pfeilers aufhalten sollte.
1986 zeigte die 1954 von Zeilhuber unter Verwendung von Beständen der Bittner-Orgel von 1846 erstellte Orgel immer mehr Mängel. Anspruchsvollere Musik konnte nicht mehr auf ihr gespielt werden, Orgelkonzerte konnten nicht mehr stattfinden. Da die Schäden im Gewölbe in absehbarer Zeit behoben werden mussten, wurde die Orgelfrage akut. Sie wurde der kirchlichen Behörde vorgetragen. Ein von Diözesanmusikdirektor Prof. Dr. G.Völkl erstelltes Gutach ten vom 17.03.1989 zeigte so viele, zum Teil unbehebbare Mängel auf, dass sich eine Renovierung und der Wiederaufbau nicht rechnete. Die Restaurierungsarbeiten forderten aber den Abbau der vorhandenen Orgel. Die Gemeinde wurde von diesem Sachverhalt unterrichtet, Interessierten vor Ort die Mängel gezeigt.Von einer breiten Meinung der Gemeinde getragen, beschloss die Kirchenverwaltung die Beschaffung einer neuen Orgel in die Wege zu leiten. Die Kirchenverwaltung bat daraufhin Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens um ihre Mithilfe und bildete ein Kuratorium, das am 8. 9.1990 zum ersten Mal zusammentrat.
Das Gremium sah vor, eine Orgel in Anlehnung an die französische Romantik bauen zu lassen, in einer Größe, welche die musikalische Wiedergabe der gesamten Orgelliteratur gewährleistet. Eine aufgrund dieser Vorgabe, sowie der räumlichen und akustischen Gegebenheiten erstellte Disposition ergab einen Umfang von etwa 50 Registern.


Die Bittner-Orgel von 1846

Die Zeilhuber-Orgel von 1954

Die Orgel sollte über drei Manuale und Pedal verfügen und mit einer mechanischen Spiel- sowie doppelter Registertraktur ausgestattet sein. Die Ausschreibung sollte nur den Rahmen abstecken hinsichtlich Bauart, Registerumfang und räumlicher Abmessung. Sie sollte auch die eventuelle Übernahme alten Pfeifenmaterials, sowie den Einbau des St. Georgsbildes in den Prospekt empfehlen. In Anbetracht der herausragenden Bedeutung des St. Georgsmünsters sollten nur bestqualifizierte Orgelbauer um ein Angebot gebeten werden. Die Fachleute schlugen vier Firmen vor. Am 21. 3.1991 traf sich das Kuratorium zur Vergabesitzung. Aufgrund der Vorgaben entschied sich das Gremium für das Angebot von Orgelbau Rieger, Schwarzach/Vorarlberg und empfahl, das Projekt weiter zu verfolgen.
Das Angebot Rieger entsprach den Vorstellungen des Gremiums am meisten hinsichtlich der Disposition und des Prospektes. Bei freistehendem Spieltisch lässt das Ausmaß der Orgel Platz für Chor und Orchester. Rieger ist auch - im Gegensatz zu den anderen Bietern - bereit, das Bild dem Prospekt einzugliedern. Überdies liegt das Angebot preislich erheblich günstiger als das der anderen Bieter. Bedenken, die Qualität könnte deshalb weniger gut sein, konnten die Experten aufgrund ihrer Sachkenntnis ausräumen. Sie empfahlen der Kirchenverwaltung, der Fa. Rieger den Zuschlag zu geben unter dem Vorbehalt, den Prospekt gestalterisch zu überarbeiten. Die Orgelsachverständigen empfahlen weiterhin eine sinnvolle Ergänzung der Disposition um sieben Register, sowie eine Erweiterung des Tonumfanges aller Manuale.
Die Kirchenverwaltung stimmte den Empfehlungen zu und beauftragte die Architekten Schütte und Zach mit der weiteren Ausgestaltung des Prospektes in Zusammenarbeit mit der Fa. Rieger. In der Folgezeit fanden sechs Begegnungen der Architekten mit dem Orgelbauer statt. Ein zur architekturgerechten Planung sinnvoll erachtetes Modell des Kirchenraumes im Orgelbereich ließ die Kirchenverwaltung von Schreinermeister i. R. Oswald Hofmann, Dinkelsbühl, fertigen; der Orgelbauer brachte Modelle der Prospekte. So entstand ein Ergebnis, das mit der Architektur der Kirche in eins geht und repräsentativ ist. Es fand die volle Zustimmung des kirchlichen Bauamtes.
Am 18. 5. 1992 legte Orgelbau Rieger den Vertrag vor, der am 20. 7.1992 die fachaufsichtliche Genehmigung erhielt, am 27. 7.1992 von der Kirchenverwaltung unterschrieben und am 5.8.1992 von der Stiftungsaufsicht genehmigt wurde. Bei 58 Registern kostet die Orgel zum Zeitwert 1.634.988,- DM inkl. MwSt, nachdem eine im Mai 1991 erfolgte Lohnerhöhung zu berücksichtigen war.
Freiwillige Helfer begannen am 06.11.1995 mit dem Abbau der alten Orgel. Die Altpfeifen wurden auf den Dachboden der Kirche gebracht und gelagert. Laut Auflage des Landesamtes für Denkmalpflege muss der Bestand der 1854 erbauten Bittnerorgel als Ganzes erhalten werden. Auf der Empore wurde das Gerüst für die Sanierung des Gewölbes erstellt. Es sollte zugleich der Errichtung eines Modells (Maske) des Orgelprospektes l : l dienen, das für die Überprüfung der Proportionen, sowie für dessen farbliche Fassung erforderlich war.
Nach Entfernung des Gerüstes musste am 22.07.1996 der Boden der Empore aufgehoben und der Untergrund auf seine Tragfähigkeit geprüft werden. Dabei wurde ersichtlich, dass die bisherige Orgel auf das Gewölbe gestellt war und durch ihr Gewicht Einsturzgefahr verursachte, die nur durch den 1973 angebrachten Zuganker zunächst abgewendet wurde. Um der neuen Orgel einen tragfähigen Untergrund zu geben, musste eine Zwischendecke eingebaut werden. Nach Abschluss aller Arbeiten im Innern der Kirche wurde diese von Decke bis Boden gereinigt und vom Staub der seit 25 Jahren laufenden Bauarbeiten befreit, damit am 13. Januar die neue Orgel angeliefert und aufgebaut werden konnte. Es schlossen sich zahlreiche Aktionen der ganzen Pfarrgemeinde an, welche neben großzügigen Spenden die Finanzierung des neuen Instrumentes ermöglichten.

 

Werdegang der Hauptorgel | Disposition
 

(Sämtliche Bilder auf o.g. Seiten: ©Michael Routschka/privat)