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3. Sonntag A: Wie oft Jesus abgeblittz ist steht nicht im Evangelium
Es klingt so einfach, wie Jesus seine Jünger beruft: einfach nur sagen: Kommt her, folgt mir nach! – und zackbumm, schon werfen sie alles hin und folgen diesem Jesus. Da kann man nur staunen, wie diese beiden Brüderpaare alles stehen und liegen lassen. Respekt Jesus, wie schnell du die Apostel bei Fuß getrimmt hast. Da könnte man als Pfarrer glatt neidisch werden, wie schnell du die Leute zu entschlossener Jesus-Nachfolge führen kannst.
Was allerdings das Evangelium nicht sagt, vielleicht sogar verschweigt, was wir also nicht wissen ist, wieviel andere hatte Jesus schon vorher gefragt, die ihn dann haben abblitzen lassen, weil sie lieber bei ihren Netzen geblieben sind, weil ihnen schlichtweg Fisch und Brot, ihre wirtschaftlich-materielle Existenz lieber waren als eine unsichere Existenz bei diesem herumziehenden Wanderprediger.
Wer weiß, wie viele Menschen Jesus schon vorher gefragt hat, ob sie ihm nachfolgen wollen. Und das Evangelium erzählt freilich nur die Erfolgsgeschichte, dort wo Jesus mit seinem Werben Erfolg gehabt hat. Und glauben Sie wirklich, dass Jesus damals mit seinem Werben dafür, Gott in den Mittelpunkt seines Lebens zu stellen, mehr Erfolg gehabt hat, als er es heute hat, wo er durch seine Kirche darum wirbt? Und wenn man es sich so vorstellt, dass Jesus mit seiner Einladung durchaus auch abgeblitzt ist, dann kann man schon die Antworten hören, die ihm da entgegengehalten wurden: Was würden Sie sagen, wenn Jesus im Vorbeigehen sagen würde: Komm her und folge mir nach!

Vielleicht: „So wichtig bist du mir auch wieder nicht. Es ist zwar schön, gläubig zu sein, aber übertreiben woll’ mer’s dann doch au net. Ein bisschen nachfolge, dass reicht doch auch, dass ich in den Himmel komm!“
Andere werden wohl gesagt haben: „Nein, weißt du, Jesus, dafür bin ich noch zu jung. Jetzt will ich das Leben genießen, vorher noch etwas vom Leben haben. Später, wenn ich alt bin, dann, ja dann will ich mir schon Zeit für dich nehmen.“
Oder andere werden gesagt haben: „Ach weißt du, ich möchte sonntags, wenn Du deine Versammlungen hältst, lieber ausschlafen. Du weißt ja, seit es drüben in Tiberias die neue Diskothek gibt, komm’ ich nicht so früh ins Bett. Und das macht halt doch mehr Spaß als mit dir.“
Oder: „Ich muss doch Sonntag vormittags Fußball spielen. Du weißt ja, dass der FC Kapharnaum seine Spiele immer Sonntag vormittags hat.“
Oder andere, die er gefragt hat, werden ihm wohl geantwortet haben: Ja, Jesus, ich will schon an dich glauben, aber dazu muss ich doch meinen Lebensstil nicht ändern, Netze liegen lassen und dir nachfolgen.
Ja und es gibt noch viele weitere Gründe, die Jesus damals am Ufer des Sees von Galiläa gehört hat und die er heute noch hört an der Ufern der Wörnitz und anderswo. Und es sind ungefähr dieselben Gründe gewesen, damals vor 2000 Jahren und heute.
Und diejenigen, bei denen der Ruf Jesu doch ins Herz trifft, weil sie von ihm fasziniert sind und an ihn glauben als den, der der Weg zum ewigen Leben, die Wahrheit des ewigen Lebens, ja dieses ewige Leben selber ist, die fragen sich: Was meint Jesus denn damit, wenn er sagt: ‚Kommt her, folgt mir nach’? Die Jünger haben ja ihre Netze liegen gelassen, ihren Beruf aufgegeben, ihre Familien zurück gelassen, um bei Jesus zu sein. Sicher muss es für uns das nicht heißen, zumindest nicht für jeden. Wir brauchen unseren Arbeitsplatz bei Tyco, bei Werner und Pfleiderer oder wo Sie sonst arbeiten, natürlich nicht aufgeben. Das wäre eine zu platte Übertragung, die naiv wäre, weil nicht durchführbar. Aber was heißt es dann, Jesus nachzufolgen?
Wenn ich darauf schaue, was es bei den Aposteln bewirkt hat, Jesus nachzufolgen, dann sehen wir doch zunächst: bei Jesus sein! In seiner Nähe sein. Wo anders sind wir mehr in seiner Nähe als hier???
Als zweites: Herrschaftsänderung: Jesus war der Mittelpunkt ihres Lebens. Das heißt, dass ich mein ganzes Leben, alles was ich tue, denke und sage, von ihm aus beurteile und überlege, was würde Jesus an meiner Stelle tun. Das kann eine gute Einübung sein, damit wir immer mehr von IHM her denken und leben, unseren Alltag gestalten.
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