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5. Sonntag A: Durchgefallen
Bei der Diplomprüfung zum Theologiestudium wäre Jesus mit seinem Gleichniswort vom Salz und vom Licht im Fach Pastoraltheologie sicher in der Mehrheit der deutschen theologischen Fakultäten durchgefallen (zumal er selber auch zölibatär lebte und dies bei seinen Aposteln akzeptierte, die sogar ihre Frauen und Familien verlassen haben). Von den Prüfern würde ihm wohl entgegengehalten: So kann man das heute nicht mehr sagen in diesem scharfen Schwarz-Weiß-Kontrast: auf der einen Seite die dunkle rabenschwarze Nacht der nichtgläubigen Gesellschaft und auf der anderen die Helligkeit der Welt des Glaubens und der Kirche. Das entspricht einfach nicht der political correctness, die heutzutage einen ähnlichen Stellenwert einzunehmen scheint wie die hl. Schrift. Wir erleben doch, dass es auch in der außerkirchlichen Welt Gutes gibt und in der Kirche auch Ungutes. Also kein Schwarz-Weiß-Denken sondern eher ein grau in grau, bestenfalls ein Kontrast in dunkel-grau und hellgrau. Was vielleicht noch in der Antike gegolten hat, ist doch heute längst nicht mehr so eindeutig.
Und frägt man die 144 Theologen und die acht CDU-Politiker, die jetzt wieder die Aufhebung des Zölibats gefordert haben, dann bestünde die Erneuerung der Kirche ja gerade in der Anpassung an die Gepflogenheiten der Welt und nicht in der Rückkehr zu den Ursprüngen. Die Kirchengeschichte zeigt jedoch, dass die wirklichen Erneuerungsbewegungen nicht in Verflachung, Auflösung, Aufweichung und Verbequemlichung bestanden, sondern in Vertiefung, Rückbesinnung, größerer Hingabe und Leidenschaft.
Mit dem scharfen Kontrastbild vom Salz und vom Licht denkt Jesus nicht in erster Linie daran, was man mit Salz alles machen kann: Konservieren und Haltbarmachen. Seine beiden Bilder zielen darauf ab, dass uns die Durchdringungs- und Ausstrahlungskraft des Glaubens bewusst wird. Eine Variante des Zeugnisgebens vom Glauben, sozusagen. Das winzig kleine Licht einer Kerze leuchtet weit in die Dunkelheit hinein. Ein wenig Salz nur kann eine große Menge Speise durchdringen!
Manch einem kommt da vielleicht das Wort in den Sinn: Tue Gutes und rede darüber! Also sozusagen Marketing in eigener Sache, etwa so wie Firmen mit dem Social Sponsoring für sich werben. Und nicht wenige meinen ja auch, die Kirche müsse Werbeagenturen einschalten, um ihre Botschaft besser an den Mann und die Frau zu bringen, so wie Firmen es für ihre Produkte tun oder Politiker sich beraten lassen wie sie mehr Erfolg haben.
Werbeagenturen arbeiten mit Tricks und Kniffen der Psychologie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus das gemeint hat.
Ein junger Mann, mit dem ich während des Studiums befreundet war und der sehr glaubenskritisch war, aber trotzdem sehr suchend und aufrichtig, der meinte, eine wohltätige Gabe wäre nur dann aufrichtig, wenn man es nicht aus zweitrangigen Motiven tut, also um vor Gott gut dazustehen oder selber ein gutes Gefühl zu haben. Man müsse eine Spende aus reiner Selbstlosigkeit geben, und es wäre nichts wert, wenn sie bei mir selber ein gutes Gefühl erzeuge. Diese Frage spiegelt zwar die Skrupelbehaftetheit dieses jungen Mannes wieder, aber so fremd ist sie dem Glauben auch nicht, sagt doch Jesus an anderer Stelle, die Linke soll nicht wissen, was die Rechte tut, man soll also nicht um des Ansehens willen Gutes tun, also eben nicht auf die Wirkweise der guten Taten achten, sondern diese Wirkung sogar vermeiden.
Ja was denn nun?!?
Dem jungen Mann würde ich heute, zwanzig Jahre Lebenserfahrung später, raten, er solle einfach gelassener an die Dinge rangehen und nicht so verkrampft. Wenn er denke er solle etwas Gutes tun, dann soll er es tun, wenn nicht, dann eben nicht. Und wenn er ein gutes Gefühl dabei hat, ist es nicht so schlimm, dann hat er selber auch was davon. Und Gott, wird des dann schon so einordnen, wie es richtig ist. Den Maßstab für unsere guten Werke verleiht uns nicht eine verkrampfte Lebenshaltung, sondern die Leidenschaft für Gott und sein Reich. Und die strahlt dann von selber aus oder eben nicht. Vielleicht sollten wir auch gar nicht so sehr auf die Wirkung und Ausstrahlung dessen schauen, was wir tun, sondern einfach Gott loben, weil es ihn gibt und sein Reich aufbauen. Das liebende Miteinander der Getauften ist das, was ausstrahlt. Und ob’s dann ausstrahlt oder net, also bei den anderen ankommt oder net, dafür kann ER dann selber auch noch was tun!





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