head

3. Ostersonntag: Für mehr als nur den kleinen Hunger
3. Sonntag in der Osterzeit A: Joh 21,1-19

Wenn mehr als nur der kleine Hunger kommt

Obwohl es in unserer Gesellschaft den meisten Menschen materiell gesehen gut geht und sogar die Armen in relativer Sicherheit leben und wenigstens das Nötigste zum Leben haben, sind Umfragen zu folge die Menschen unserer Tage nicht zufriedener als die Menschen früherer Jahrzehnte, wo man ums Überleben noch kämpfen musste und der Staat dieses Überleben kaum oder gar nicht absicherte. Wenigstens unbewusst merken viele: Das, was ich habe, was ich mit leisten kann, macht mich nicht wirklich glücklich. Mein Leben zerrinnt zwischen den Fingern: Arbeit, Essen, Schlafen; Arbeit, Essen, Schlafen; Arbeit, Essen, Schlafen; Wochenende; dann wieder: Arbeit, Essen, Schlafen. Familie, Freunde, Fernsehen. Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Der Alltag ist in seiner Alltäglichkeit banal, bedeutungslos, scheinbar auch sinnlos, so dann am Ende des Lebens die Frage auftaucht: War das jetzt alles?
Die Jünger Jesu sind nach der Auferstehung nach Hause zurückgekehrt in die Banalität ihres Alltags. Was auch tun nach diesen letzten drei Jahren, als sie mit Jesus herumgezogen sind, wo ihr Leben spannend, bewegt, erfüllt war?
Petrus hat eine Idee, bzw. man muss genauer sagen: weil ihm eine andere Idee, eine andere Alternative fehlt: Fischen gehen. Was auch sonst? Das hatten sie früher getan; das waren sie gewohnt. Das hatten sie gelernt. Nichts liegt näher. Man spürt die Lustlosigkeit, mit der Petrus und die anderen wieder hineintauchen in den Alltag. Lustlos fahren sie hinaus. Wenn wundert’s, dass sie mit dieser Arbeitseinstellung nichts fangen, dass dieses Unternehmen fruchtlos bleibt.
Nach ihrer vergeblichen Liebesmüh – so wie in unserem Leben manches, ja vieles auch vergeblich ist – sehen die Apostel einen unbekannten Mann am Ufer, der ihnen eine Frage stellt, die auf den ersten Blick nebensächlich scheint, aber in Wirklichkeit ganz wesentlich ist: „Habt ihr etwas zu essen?“
Das ist eine Frage, die wir Menschen auch heute nicht außer acht lassen sollten: Habt ihr etwas bei euch, von dem man leben kann?
Ihr, die ihre alles habt, reichlich habt, im Überfluss sozusagen, könnt ihr davon leben? Ein schönes Haus, ein flottes Auto, tolle Kleidung, Gourmet-Happen zum Beißen:
Könnt ihr davon leben?
Eine entscheidende Frage. Nur wenn wir diese Frage ehrlichen Herzens mit „Nein“ beantworten, erkennend, dass das ganze Zeug unseren eigentlichen Hunger nicht stillt – nur wer das erkennt und wie die Jünger eingesteht, mit leeren Händen und leeren Herzen dazustehen, für den kann es weiter gehen, über die Nacht der Belanglosigkeit und Banalität hinaus in den Morgen eines sinn-erfüllten, durch Gott beschenkten Lebens. Es geht weiter, dass uns die Augen aufgehen werden, so wie der Jünger, den Jesus liebte, erkennt, wer das ist, der ihnen diese entscheidende Frage gestellt hat. Und dieser Johannes, muss es erst dem Amt in der Kirche, dem Petrus sagen, was Sache ist, damit der in seiner Hilflosigkeit seine Nacktheit erkennt, die Initiative ergreift, um die Nähe Gottes zu erreichen.
Jesus sagt zu ihnen: Bringt von den Fischen! Und sie nehmen von dem, was eigentlich ja sein Geschenk ist, um es zu bringen: Ergebnis ihrer Arbeit und zugleich Geschenk – so wie wir in der Eucharistiefeier die Gaben bringen, die eigentlich Geschenk des Schöpfers sind und zugleich Frucht menschlicher Arbeit.
Petrus zählt sogar die Fische. Was sie getan haben, zählt. Und doch leben sie nicht nur vom Erfolg ihrer Arbeit. Das wäre zu banal. Das wäre noch kein Leben. Davon allein kann man nicht leben. Leben können wir von und in der Nähe Gottes. Und wenn wir bei der Gabenbereitung Brot und Wein, also Produkte menschlicher Arbeit, unseres Zutuns und zugleich doch auch – weil aus der Natur gewonnen – SEIN Geschenk, wenn wir diese Gaben Gott hinhalten, damit er sie verwandle und durch seine verwandelnde Nähe sie uns neu schenkt, dann ist es, also ob wir unseren banalen Alltag ihm hinhalten und ihn verwandeln lassen durch seine Nähe, um leben zu können, um wirklich leben zu können.
In seiner Nähe, in IHM, der sich uns hier schenkt, haben wir etwas, wovon wir wirklich leben können in der Belanglosigkeit des Alltags, des Alltags, auf den dadurch etwas ausstrahlt vom Glanz des Festes und ihm so einen tiefen Sinn verleiht.
<<< zur Übersicht