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6. Ostersonntag A: Joh 14,15-21: Gottes Gebote schenken die wahre Freude!
Manche unserer Mitchristen sehen ihren Glauben als etwas freudloses, das ihnen den Spaß im Leben verdirbt. Vielleicht aus falscher religiöser Erziehung verstehen viele den Glauben nur als Ansammlung von zahlreichen Geboten, die einem den ganzen Spaß verderben und die Lust am Leben nehmen. Dadurch wird der ganze Glaube so etwas wie eine Last, die man halt in Kauf nimmt, damit – falls das Ganze doch stimmt – man halt doch in den „Himmel“ kommt, oder zumindest nicht in die Hölle. Aber Freude will daran, an so einem Glauben, nicht so recht aufkommen, wenn man alles Schöne, was Spaß macht, verboten bekommt. Der Glaube, so muss man den Eindruck bekommen, scheint eine Veranstaltung zu sein, die einem die Freude am Leben missgönnt. Und wie zur Bestätigung hören wir Jesus im heutigen Evangelium auch noch sagen: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten!“ Schon wieder ein Anspruch und Forderungen, schon wieder der mahnende Zeigefinger, der uns sagt, was wir zu tun und lassen haben.
Ein ganz anderes Verständnis hatte noch der Psalmendichter im Alten Testament, der überzeugt war: Ich freu mich an deinen Weisungen, o Herr! Keine Rede davon, dass die Weisungen Gottes etwas lust- und damit lebensfeindliches wären, das mich in meiner Freiheit und Selbstverwirklichung einschränken würde, wie viele heute meinen.
Freude an den Geboten Gottes: wer kann das heute noch nachvollziehen? Wir dürfen uns aber nicht einreden lassen, dass die Gebote Gottes eine Last wären. Vielmehr wollen sie uns zu geglücktem Leben verhelfen. Sie sind nur dazu da, dass unser Leben für uns persönlich und im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen gelingt und nicht misslingt. Die Gebote sind wie Wegweiser zu einem gelungenem Leben, wie Pfosten auf einem Weg, wenn wie im Winter alles zugeschneit ist und gerade noch die Leitpfosten aus dem Schnee ragen und uns signalisieren, wo der Weg ist, damit wir von ihm nicht abkommen und uns nicht verirren und nicht stecken bleiben. Sie sind ein Geländer, damit wir nicht abstürzen auf unserem Weg, so wie Eltern ihren Kindern auch klare Grenzen setzen müssen, damit diese zu reifen Personen heranwachsen.
Genauso wie Verkehrszeichen mich zwar in meiner absoluten Autonomie einschränken, sind sie aber dennoch sinnvoll, damit ich und andere nicht zu schaden kommen. Niemand würde sich in ein Flugzeug setzen, wenn er wüsste, dass der Pilot es mit den Flugregeln nicht so genau nimmt. Besonders bei der Landung im Nebel und in der Nacht wäre jeder dankbar und beruhigt, dass der Pilot alles peinlich genau beachtet. Das Aufsetzen nur w3enige Meter neben der Landebahn könnte zu Katastrophe führen. Genauso müssen wir die Kursanweisungen unseres himmlischen Vaters in seinem Wort beachten, der uns sicher an das Ziel unserer ewigen Heimat bringen will.
Wir dürfen Gott nicht mit dem Misstrauen begegnen, dass er uns mit seinen Wegweisungen, mit seinen Geboten das Leben versauern und jeden Spaß verderben wolle, ganz im Gegenteil: die Gebote sind An-Gebote zum Leben, Wegmarken, die uns befreien von unseren Fesseln an die Sünde, wo wir nur vordergründigem und zweitrangigem Glück nachjagen und uns in unserem selbstbehauptendem Streben auf aussichtlose Weise versuchen, unser Glück zu machen. Wenn wir entdecken könnten, dass Gottes Gebote uns zu wahrer Freiheit führen, dann würden wir sie nicht als von außen kommende, uns einengende Fremdbestimmung ansehen, die uns unsere Freiheit raubt. Jedes solche Misstrauen müssen wir aus unserem Herzen ausreißen, im Wissen, dass Gott unser wahres und tiefes, beständiges Glück will. Wir halten die Gebote nicht Gott zu liebe, weil er sie in seiner Souveränität hat und er sie auch ganz anders hätte erlassen können, sondern wir halten die Gebote uns zu liebe, weil Gott sie uns geschenkt hat, damit wir das Leben in seiner ganzen Fülle und Tiefe genießen können und uns nicht fesseln lassen von unseren eigenen Neigungen.

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