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Weltmissionssonntag: Sarrazin und Multikulti
Weltmissionssonntag: Sarrazin und Multikulti
Im Wirtschaftsleben schließen sich immer mehr Unternehmen zu übernationalen Konzernen zusammen, die schlagkräftig sind und weltweit operieren. Diesen Prozess des wirtschaftlichen Zusammenwachsens der Welt ist als Begriff der „Globalisierung“ in aller Munde. Kein Unternehmen, das wachsen oder wenigstens bestehen bleiben will, kann es sich heute leisten, nur noch national auf das eigene Land ausgerichtet zu sein.
Dabei ist das, was mit Globalisierung gemeint ist, also die weltweite Ausrichtung eines Unternehmens, eigentlich eine Erfindung der Kirche. Die Kirche war der erste wirkliche ‚global player’. Die christliche Botschaft gilt ja nicht beschränkt für ein Volk, sondern ist übernational an die Menschen aller Nationen gerichtet. Das griechische Wort ‚katholische’ bedeutet übersetzt ja: ‚allgemein’, ‚für das Ganze’, also ‚weltweit’: Jesus Christus ist der Erlöser nicht nur eines Volkes, sondern der ganzen Welt. Er ist der universale Mittler des Heils, das Gott schenkt.
Dies zu erfahren gehört für mich immer wieder zu den schönsten Erfahrungen des Glaubens: Mit Menschen anderer Kulturen, mit denen ich sonst ja nichts gemeinsam habe, verbunden zu sein dadurch, dass uns die selbe Hoffnung trägt, die selbe Überzeugung leitet. Der Glaube hat diese verbindende Kraft über Sprach und kulturelle Grenzen hinweg.
Und wenn man diese gelebte Katholizität vor Augen hat, dann wird einem die Beschränktheit allen nationalistischen Denkens klar: Wie einfältig ist doch –angesichts der Katholizität des Glaubens – wie einfältig ist doch jede ausländerfeindliche Haltung, die eine völlig übersteigerte Einstellung des deutschen Selbstverständnisses und Verachtung gegenüber allem Nichtdeutschen beinhaltet. Von ihrem innersten Selbstverständnis können Katholiken niemals ausländerfeindlich sein. Von daher sind alle ausländerfeindlichen Äußerungen nicht nur eine Verletzung der Nächstenliebe, sondern auch des eigenen Selbstverständnisses. Gläubige Christen können da nicht mitmachen. Christen müssen vielmehr Einspruch erheben, wo mit ausländerfeindlichen Parolen Stimmung gemacht wird. Christlicher Glaube befreit. Er befreit von Klassendenken und engstirnigem Nationalismus. Er sprengt die Grenzen und öffnet unseren oft kleinkariert-nationalen Blick auf den weiten Horizont der einen Menschheitsfamilie.
Wenn jetzt in unserer Gesellschaft wieder die Diskussion um Leitkultur und Multikulti aufbricht, befeuert von Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“, dann muss das von der Perspektive des Glaubens schon hinterfragt werden. Wenn die mangelnde Integration von manchen Ausländern in Deutschland beklagt wird, dass in Großstädten Parallelgesellschaften entstehen, dann muss man auch klar sagen, dass dort, wo Deutsche im Ausland sind, auf Mallorca und an der Mittelmeerküste der Türkei, dass dort auch deutsche Parallelgesellschaften entstehen und die Deutschen noch nie Weltmeister darin waren, sich zu integrieren, dort wo sie hinkamen.
Sicherlich braucht kein Land zu dulden, wenn Gäste kriminell werden. Die darf man ruhig zurückschicken. Sicher braucht auch kein Land die Zuwanderung in soziale Transfersysteme zu dulden, dass die Zuwanderer ein Land ausnützen.
Aber die Zuwanderung nur davon abhängig zu machen, was unserem Land nützt, ich bezweifle, dass das eine Perspektive ist, die den Glauben für sich hat. Ganz im Gegenteil: Was würde Jesus denken? Dass nur die kommen dürfen, die uns nützen? Oder würde er nicht viel mehr schauen, wer unsere Hilfe braucht?
Wir brauchen auch keine Angst vor dem Islam in Deutschland haben, dass uns der Islam übertrumpft und dominiert. Wir brauchen keine Angst vor dem Kopftuch zu haben. Meine Uroma ist auch immer mit dem Kopftuch außer Haus gegangen. Und ich denke sogar, die Moslems sind stark von der Sorge geprägt, dass ihre Kinder sich der westlichen, sprich säkularen, glaubenslosen Kultur anpassen und ihren Glauben verlieren. Mehr Moslems, die in Deutschland geboren werden sind nur nominelle Angehörige ihrer Religion. Mehr Moslems, die hier geboren werden geben die Praxis ihres Glaubens auf, als dass sie ihn praktizieren.
Mir ist ein Moslem, der seinen Glauben lebt, lieber als ein Atheist, mit dem hab’ ich mehr gemeinsam.
Und vielleicht können wir sogar von anderen Kulturen lernen. Und auch wenn der Islam nicht die Wahrheit des Glaubens lehrt, aber seine Anhänger sehen die Welt in der Perspektive Gottes.
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