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Taufe des Herrn: Leben aus demBewusstsein der Taufe
Mich wundert immer wieder, welch großen Stellenwert in unserer heute so glaubensschwachen Umwelt die Taufe noch im Bewusstsein der Menschen hat. Selbst Leute, die innerlich schon längst mit dem Glauben und der Kirch gebrochen haben, die Gott längst aus ihrem sonntäglichen und alltäglichen Tagesplan gestrichen haben, denen Gott für ihr Leben so wurscht is’, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt, möchten ihr Kind taufen lassen. Selbst Leute, die aus der Kirche ausgetreten sind, erbitten die Taufe ihres Kindes.
Trotz eines enormen Rückgangs der Glaubenspraxis erbitten fast alle unserer Glaubensgeschwister die Taufe ihrer Kinder. Die Nachfrage nach der Taufe ist größer als die Nachfrage nach dem Glauben.
Wenn Umfragen zufolge nur etwa 40% der Katholiken Jesus als Sohn Gottes und an seine Auferstehung glauben, dann ist es irgendwie unverständlich, wenn 95% exakt diesen Glauben in der Taufe für ihr Kind bejahen.
Oder geht es bei mancher Taufe vielleicht gar nicht um den Glauben, sondern eher um die Dekoration einer familiären Lebensanfangsfeier?
Es steht zu befürchten, dass in unserem Land und in unseren Pfarreien gar nicht genügend Glaube für so viele Taufen vorhanden ist. Der Glaube ist aber unbedingte Voraussetzung für die Taufe. Die Struktur des Glaubens läuft ja so: Ich höre die frohe Botschaft, das Evangelium, dann kann ich mich entscheiden: will ich diese Botschaft annehmen mit meinem ganzen Herzen, glaube ich d’ran? Und wenn ich „ja“ sage dazu, also glaube, dann handelt Gott im Zeichen der Taufe und macht mich heil.
Und dann ist aber der Glaubensweg damit noch nicht beendet, wie manche Christen fälschlicherweise anzunehmen scheinen, sondern er fängt erst an. Paulus spricht in einem seiner Briefe davon, dass die Getauften in einer neuen Wirklichkeit leben. Leben Sie in einer neuen Wirklichkeit, seit Sie getauft sind? Wie soll denn so eine neue Wirklichkeit ausschauen – und vor allem: Wie schaut die alte Wirklichkeit im Gegensatz dazu aus? Verändert die Taufe etwas in meinem Leben? Wäre in meinem Leben irgendetwas anders, wenn ich nicht getauft wäre? Sähe mein Leben irgendwie anders aus?
Wenn’s nicht anders wäre, wenn da gar kein Unterschied auszumachen wäre, warum bin ich dann eigentlich getauft?
Vermag der Geist, der über uns in der Taufe ausgegossen worden ist, etwas in unserem Leben zu bewegen?
Eine Jugendliche sagte mir einmal, sie denke, dass sie nicht anders zu leben brauche als ihre nichtglaubenden Freunde. Wozu dann die Taufe, wenn sich nichts ändert, wenn nix anders ist, wenn ich leben kann wie die nichtglaubende Welt?
Was heißt es nun, sein Leben aus der Taufe, aus dem Bewusstsein der Taufe, der Zughörigkeit zu Gott zu leben?
Zuallererst: Gott muss mir das allerwichtigste sein. Wo mir anderes wichtiger ist als ER, da wird dann das zum Gott, zum Götzen. Gott ist eben das, woran einer sein Herz hängt. Diese Einsicht hilft im Übrigen zu einer gewissen Gelassenheit, weil alles nur relativ ist und nichts verabsolutiert wird. Diese schöne Erkenntnis bleibt aber blasse Theorie, wenn wie nicht konkret wird im Leben.
Wenn ich zum Beispiel Samstag nachts solange in der Diskothek bin, dass es mir aus schlaftechnischen Gründen unmöglich ist, die Einladung zur Begegnung mit ihm nicht anzunehmen, dann ist mir halt die Diskothek wichtiger als Gott. Da beißt die Maus kein Faden ab!
Christ sein heißt zum Beispiel auch: nicht schwarz zu arbeiten!
Oder ein andere konkretes Beispiel (gell: bei den konkreten Beispielen ist halt immer die Gefahr, dass sich jemand betroffen oder gar angesprochen fühlt. Aber mir liegt natürlich nichts ferner, als dass meine Predigten ansprechend sind oder gar betroffen machen. Vielleicht sollte ich doch eher allgemein predigen, wo sich dann niemand zu ändern braucht und sich selber auf die Schulter klopfen kann, wie toll ich doch bin. Ein seichtes Gelaber, des vor sich hinplätschert, bis das erlösende „Amen“ kommt, wäre natürlich bequemer anzuhören).
Zurück zum Beispiel. Wenn ich am Wochenende beim Skifahren bin und dann nicht irgendwann und irgendwo Gott darin mit einbaue, dann muss ich halt sagen: Tja, Skifahren ist mir halt wichtiger… Ich verurteile deswegen niemanden, wenn einem Skifahren wichtiger ist als Gott. Viele meiner Freunde, mit denen ich am meisten lachen kann, ist Skifahren wichtiger als Gott. Nur: Christen sind das halt dann keine!
Oder noch ein konkretes Beispiel: Wenn ich sonntags Gäste zum Mittagessen habe und ich deswegen die Einladung Jesu nicht annehme, weil mir das Essen mit den Gästen wichtiger ist… Dann müsst’ ich halt sagen: Liebe Gäste, ich freue mich, wenn Ihr kommt. Aber weil mir Gott auch wichtig ist, ess’ mer halt erst um ein Uhr, weil ich ja auch noch kochen muss… - Des wär’ doch ein Glaubenszeugnis!
Leben als Christ aus dem Bewusstsein, getauft zu sein, heißt (angelehnt an die Zehn Gebote)
Vor allem: Ich will mich möglichst täglich daran erinnern,
dass ich in Gott, unserem Vater, lebe, mich bewege und bin,
dass dieser Gott uns in Jesus Christus, seinem Sohn, liebte bis zur Hingabe in den Tod, dass Vater und Sohn durch den Heiligen Geist darauf hinwirken, uns mit sich und untereinander zu verbinden.
So wichtig mir Ehe und Familie, Beruf und Haus, Gesundheit und Hobby sind, am wichtigsten soll mir in all dem meine Geschichte mit Gott sein; denn er beginnt in all dem einen Weg mit mir, den nur er vollenden kann.
Ich will nicht Gott für mich gebrauchen, sondern für ihn und seinen Frieden unter den Menschen verfügbar sein.
Ich will den Sonntag feiern als den Tag, der durch die Auferstehung Jesu Christi allem Lebensdunkel das stärkere Licht der Hoffnung entgegensetzt. Dazu will ich die Versammlung derer suchen, die das Gedächtnis er Lebenshingabe Jesu begehen und sich für den angebrochenen Frieden Gottes unter uns Menschen stärken und erneuern lassen.
Ich will dazu beitragen, dass wir in unserer Familie geduldig, vertrauensvoll und bereit zur Versöhnung miteinander umgehen. Ich will danach suchen, dass wir unsere Konflikte ohne Gewalt lösen. Als Vater oder Mutter will ich die Kinder nicht besitzen; als Tochter oder Sohn will ich die Eltern nicht allein lassen.
Ich will das Leben achten. Das heißt: Ich will mich für den Lebensraum anderer - insbesondere der Schwächeren- einsetzen (auch für den der ungeborenen und geborenen Kinder), umsichtig fahren, keine Energie verschwenden, mich möglichst umweltfreundlich verhalten, teilnehmen am Schutz der Schöpfung vor der Zerstörung durch den Menschen.
Ich bejahe die Ehe als Lebensform, in der Mann und Frau einander in lebenslanger Treue Halt und Hilfe sind, sexuelle Gemeinschaft wirksames Zeichen der Liebe ist, Kinder vertrauen lernen und in menschlicher Liebe die Liebe Jesu vergegenwärtigt wird.
Ich will nicht nur das Eigentum des anderen achten, sondern auch mit meinem eigenen Eigentum in Verantwortung für die Armen umgehen. So will ich keine Anschaffung machen, nur um das Neuere und Perfektere zu haben und vor anderen zu repräsentieren. Ich will meine Ansprüche an nur materiellen Wohlstand begrenzen, weil er mein Verlangen nach erfülltem Leben nicht stillen kann und mit der Reichtum geschwisterlichen Teilens mit den Armen wertvoller ist.
Ich will die Wahrheit sagen – vor allem dann, wenn es um das Ansehen und die Lebensmöglichkeiten anderer Menschen geht. Ich will mich auch bemühen, durch kritische Informiertheit die Wahrheit zu erfahren, wo ich sie brauche, um verantwortlich denken, sprechen und handeln zu können.
Ich will alles tun, damit mir ein anderer Mensch, eine andere Gruppe, ein anderes Volk nicht zum Feind wird. Darum will ich danach suchen, den anderen Menschen, die andere Gruppe, das andere Volk zu verstehen und das abzubauen, was voneinander trennt oder sogar gegeneinander leben lässt.
Ich will dazu stehen, wenn ich an dieser Lebensart, in die ich durchmeine Taufe gerufen bin und für die ich durch den Geist gestärkt werde, immer wieder versage. Darum will ich immer wieder das Erbarmen Gottes, seine Vergebung und darin einen neuen Anfang suchen. Und ich will Erbarmen üben mit meinen Mitmenschen und Mitchristen.
Ich hoffe, Sie spüren und schmecken die neue Wirklichkeit, die hier zum Ausdruck kommt, eine Wirklichkeit, die diametral entgegengesetzt ist zur alten Wirklichkeit der Welt.
Christlicher Glaube, der diesen Namen verdient, muss sich als Kontrastgesellschaft verstehen und ist auf vollem Konfrontationskurs mit dem Denken der Welt. Wo das nicht mehr der Fall ist, hat der Glaube schon verloren.
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